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Geschlechtshormone


1. Testosteron


Testosteron ist der wichtigste Vertreter der männlichen Sexualhormone (Androgene). Testosteron bedingt die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale. Zudem spielt Testosteron eine wichtige Rolle beim Knochen- und Muskelaufbau. Die Bildung des Testosterons unterliegt einem sehr fein abgestimmten Regulationsmechanismus. Die Ausschüttung von Testosteron wird von den Hormonen LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikelstimulierendes Hormon) reguliert. Die beiden Hormone werden in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildet und als Gonadotropine bezeichnet, weil sie auf die Keimdrüsen (Gonaden) wirken. LH fördert die Freisetzung von Testosteron aus den Leydig-Zellen des Hodens. FSH stimuliert die Sertoli-Zellen in den Hodenkanälchen und damit die Samenreifung.


2. Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen (Hypogonadismus) beim Mann

Definition

Die Unterfunktion der Geschlechtsdrüsen (Gonaden) wird als Hypogonadismus bezeichnet. Am häufigsten ist damit eine fehlende oder verminderte hormonelle Aktivität der männlichen Keimdrüsen (Hoden) mit verminderter Testosteronproduktion gemeint.

Ursache

Bei einem Hypogonadismus werden 2 verschiedene Formen unterschieden, die sich auf unterschiedliche Ursachen zurückführen lassen.

1. Primärer (hypergonadotroper) Hypogonadismus

Bei dieser Form liegt die Ursache der Störung in den Hoden selbst. Es wird zu wenig Testosteron in den Hoden gebildet. Die niedrigen Testosteronwerte stimulieren die Hirnanhangdrüse, die durch eine erhöhte LH- und FSH-Ausschüttung versucht die Hodenfunktion zu stimulieren.

Die primäre Hodenunterfunktion kann durch angeborene Fehlbildungen oder erworbene Schädigungen bedingt sein. Eine typische angeborene Erkrankung ist das Klinefelter-Syndrom. Gründe für erworbene Schädigungen sind beispielsweise Verletzungen (z.B. Hodendrehung) oder verschiedene Erkrankungen (z.B. Hodenentzündung bei Mumps). Auch Älterwerden hat einen niedrigeren Testosteronspiegel zur Folge.
 
2. Sekundärer (hypogonadotroper) Hypogonadismus

Bei dieser Erkrankungsform schüttet die Hirnanhangsdrüse zu wenig FSH und LH aus. Mögliche Gründe sind beispielsweise Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse, des Hypothalamus (z.B. Kallmann-Syndrom) oder andere Erkrankungen (z.B. Unterernährung, Schilddrüsenunterfunktion, etc.). Auch die verstärkte zusätzliche Einnahme von Sexualhormonen (dies ist beispielsweise der Fall, wenn so genannte Anabolika zum Muskelaufbau eingenommen werden) bringt die Hirnanhangsdrüse so aus dem Gleichgewicht, dass sie weniger Gonadotropine ausschüttet und die Testosteron-bildung beeinträchtigt ist.

Symptome

Die Auwirkungen des Testosteronmangels sind davon abhängig, in welchem Lebensalter sie eintreten. Bei einem Funktionsausfall der Hoden vor Beginn der Pubertät kommt es zu Hochwuchs, hoher Stimme und fehlender oder geringer Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale. Fällt die Hodenfunktion erst nach der Pubertät aus, so werden die nach der Pubertät entwickelten sekundären Geschlechts-merkmale (z.B. Bartwuchs) zurückgebildet. Es treten Störungen des Sexuallebens auf. Das sexuelle Verlangen (Libido) nimmt ebenso ab wie die Erektionsfähigkeit. Besonders typisch für Testosteronmangel ist das Ausbleiben spontaner morgendlicher Erektionen. Testosteronmangel äußert sich auch in der Abnahme von Muskelmasse und führt so zu Muskelschwäche. Gleichzeitig nimmt der Fettanteil am Körper (vor allem im Bauchbereich) zu. Unbehandelter Testosteronmangel führt auch zu Knochenschwund (Osteoporose).

Diagnose

Zur Diagnose erfolgt eine genaue Befragung und körperliche Untersuchung durch einen Endokrinologen. Dabei wird speziell auf die Behaarung und die Hodengrösse geachtet. Ergänzend erfolgt die Bestimmung der Testosteron-, LH- und FSH-Werte im Blut. Abhängig von den erhobenen Befunden erfolgen weitere Untersuchungen. Dies können genetische Tests, Hormonstimulationstests, Ultraschall der Hoden, Bildgebung der Hirnanhangsdrüse oder ein Spermiogramm (mikroskopische Untersuchung des Sperma in einem Speziallabor) umfassen.

Therapie

Bei der primären Hodenunterfunktion muss das fehlende Testosteron zugeführt werden. Man spricht von einer Testosteron Substitutionstherapie. Es kann in Form von Spritzen, Pflaster oder Gel verabreicht werden. Am häufigsten wird heute eine Testosteronspritze verabreicht, welche ca. alle 3 Monate wiederholt werden muss.

Die Substitution von Testosteron bei ältereren Männern ohne klaren Grund für einen Hypogonadismus ist umstritten.

Bei der sekundären Hodenunterfunktion können anstelle einer Testosteron-Substitution, die Hormone der Hirnanhangsdrüse (FSH und LH) verabreicht werden. Die Spermienzellbildung wird dadurch angeregt. Diese Behandlung wird häufig im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung durchgeführt.


3. Ausbleibende Menstruation (Amenorrhoe)

Definition

Bleibt die Menstruation aus, spricht man von Amenorrhoe. Es wird zwischen primärer und sekundärer Amenorrhoe unterschieden. Bei der primären Amenorrhoe hat auch nach dem 16.Lebensjahr noch nie eine Periodenblutung stattgefunden. Bleibt die Periode für mehr als 3 Menstruationszyklen nach zuvor stattgefundenen Blutungen aus, liegt eine sekundäre Amenorrhoe vor.

Ursache

Eine Amenorrhoe kann auf eine mangelnde Ausreifung der Geschlechtsorgane, eine funktionellen Störung der Gebärmutter/Eierstöcke oder einer Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse)/ Hypothalamus (endokrines Steuerungsorgan im unteren Bereich des Zwischenhirns) zurückgeführt werden.

Häufige Ursachen sind ein polyzyklisches Ovarsyndrom, körperlicher/psychischer Stress, Medikamente, Magersucht oder exzessiv betriebener Sport. Eine typische endokrinologische Ursache ist ein Tumor der Hypophyse oder eine Schilddrüsenüberfunktion. Nach Absetzen der Antibabypille kann die Regel zunächst ebenfalls für eine gewisse Zeit ausbleiben.Seltener ist die ausbleibende Menstruation durch einen Tumor der Gebärmutter, Eierstöcke oder Nebenniere bedingt.

Symptome

Hauptsymptom ist das Nichteintreten oder Ausbleiben der Regelblutung bei der geschlechtsreifen Frau. Weitere Symptome werden durch die Grunderkrankung, die zur Amenorrhoe führt, verursacht.

Diagnose

Die Abklärung der primären Amenorrhoe wird bereits in der Pubertät durch den Kinderarzt erfolgen. Zur Abklärung der sekundären Amenorrhoe muss zunächst geprüft werden, ob nicht eine Schwangerschaft besteht. Liegt keine Schwangerschaft vor, muss jede Amenorrhoe von mehr als drei Monaten Dauer eingehend abgeklärt werden. Meistens erfolgt die Abklärung zunächst durch den Frauenarzt. Dieser beurteilt das äussere Genitale und die Gebärmutter. Mit den Blutuntersuchungen werden die geschlechtsspezifischen Hormonspiegel geprüft. Die apparative Untersuchung mit dem Ultraschallgerät ermöglicht eine visuelle Beurteilung der Gebärmutter, insbesondere deren Schleimhautbeschaffenheit, der Eierstöcke und Eileiter. Findet sich dabei keine Erklärung für die Amenorrhoe, erfolgt eine Mitbeurteilung durch einen Hormonspezialisten (Endokrinologen). In vielen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Gynäkologen und Endokrinologen wichtig.

Therapie

Die Therapie von Menstruationsstörungen richtet sich nach den jeweils vorliegenden Beschwerden und setzt eine sorgfältige Suche nach den Ursachen der Beschwerden voraus. Zum Beispiel bringt bei einem polyzystischen Ovarsyndrom eine hormonelle Therapie mit Ovulationshemmern (Antibabypille) oder anderen Hormonpräparaten Besserung. Liegt ein Prolactin-sezernierender Tumor der Hirnanhangsdrüse vor, kann dieser in Abhängigkeit von der Grösse oftmals medikamentös behandelt werden. Die Therapie der psychisch bedingten Amenorrhoe ist weitaus schwieriger, da eine psychiatrische oder psychologische Betreuung nötig ist.

News

Fortbildungsnachmittag Endokrino-/Diabetologie:

"Schilddrüsen-Update"
Do, 28. Juni 2012, 13:30 – 18:00 Uhr

 

Info-Flyer

 

Nächstes Kolloquium:

 

Diabetes und Karzinomrisiko

 

Dr. Christian Rothermundt, Oberarzt mbF Onkologie, KSSG

Prof. Michael Brändle, FBL, Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie, KSSG

 
Mi, 15. August 2012

18:30-20:30 Uhr

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